Weinheim trägt den Beinamen „Zwei-Burgen-Stadt”, doch zwischen Wachenburg und Burg Windeck steckt die eigentliche Geschichte in den Gassen der Altstadt. Wer durch das Gerberbachviertel und über den Marktplatz läuft, geht an Fachwerk aus dem Spätmittelalter, an einem Rathaus von 1557 und an einem kurpfälzischen Schloss vorbei, das heute noch verwaltet wird, statt zu repräsentieren. Diese Seite führt dich zu den wichtigsten historischen Gebäuden in der Weinheimer Innenstadt, ordnet die wichtigsten Jahreszahlen ein und zeigt, wie du sie zu Fuß miteinander verbindest. Mehr zur Stadtentwicklung findest du im Überblick zur Geschichte Weinheims.
Was macht den Marktplatz mit dem Alten Rathaus aus?
Der Marktplatz ist das historische Herz der Weinheimer Altstadt und der natürliche Ausgangspunkt für jeden Rundgang. Das Alte Rathaus trägt die Jahreszahl 1557 und wurde in den folgenden Jahrhunderten mehrfach verändert; es steht zusammen mit dem Marktbrunnen, historischen Bürgerhäusern und der Löwenapotheke aus dem frühen 17. Jahrhundert an dem ansteigenden Platz.
Der Marktplatz ist kein Museum, sondern weiterhin in Betrieb: Mittwochs und samstags findet hier der Wochenmarkt statt, und an den Rändern reihen sich Cafés und Lokale. Damit verbindet sich Stadtgeschichte ganz selbstverständlich mit dem Alltag. Wie sich der Platz über die Jahrhunderte entwickelt hat, vertieft die Seite zum Weinheimer Marktplatz. Wer Sitzgelegenheiten und Verpflegung sucht, wird rund um den Platz und in der Fußgängerzone fündig; Anregungen dazu gibt unsere Seite zur Gastronomie in Weinheim.
Warum ist das Schloss heute das Rathaus?
Das kurpfälzische Schloss Weinheim geht im Kern auf das 16. Jahrhundert zurück, mit Baubeginn ab 1537, und wurde später mehrfach erweitert. Über Jahrhunderte war Weinheim kurpfälzisch, und das Schloss diente als Amtssitz in der Stadt.
Seit 1938 nutzt die Stadtverwaltung das Gebäude als Rathaus. Für Besucherinnen und Besucher heißt das: Das Schloss ist kein klassisches Museumsschloss mit Schauräumen, sondern ein lebendiges Verwaltungsgebäude. Sehenswert ist vor allem das Zusammenspiel mit dem angrenzenden Schlosspark, einem englischen Landschaftsgarten, der frei zugänglich ist und mit einer sehr alten Libanon-Zeder, Mammutbäumen und einem Ginkgo aufwartet. Eine ausführlichere Beschreibung findest du auf der Seite zum Schloss und Schlosspark.
Was hat es mit dem Roten Turm und der Stadtbefestigung auf sich?
Weinheim war im Mittelalter befestigt, und Reste dieser Anlage prägen das Stadtbild bis heute. Der Rote Turm ist der bekannteste der erhaltenen Wehrtürme. Er ist ein mittelalterlicher Turm der früheren Stadtbefestigung, rund 30 Meter hoch, und diente über lange Zeit auch als Gefängnisturm.
Er steht nicht allein: Zur erhaltenen Befestigung gehören weitere Türme, darunter der „Blaue Hut” (um 1300) und der Hexenturm. Zusammen mit erhaltenen Mauerabschnitten und dem Obertor zeichnen sie nach, wie eng und gut geschützt die mittelalterliche Stadt einmal war. Wie diese Anlage einmal als Ring um die Stadt funktionierte, schildert ausführlich die Seite zur Stadtmauer und den Stadttoren Weinheims. Diese Türme lassen sich am besten zu Fuß erschließen, weil sie in das Gefüge der schmalen Altstadtgassen eingebettet sind.
Welche historischen Kirchen prägen die Altstadt?
Rund um den Marktplatz stehen mehrere bedeutende Kirchen, deren heutiges Erscheinungsbild überwiegend aus dem frühen 20. Jahrhundert stammt:
- Evangelische Stadtkirche: Der heutige neugotische Bau entstand 1911 bis 1913, ein Vorgängerbau wird auf 1731 datiert.
- Katholische St.-Laurentius-Kirche: Ebenfalls 1911 bis 1913 errichtet und neugotisch geprägt; sie bildet zusammen mit der Stadtkirche ein markantes Doppel am Marktplatz.
- Peterskirche: Aus den Jahren um 1912, gestaltet im neoromanischen Jugendstil und damit stilistisch ein eigener Akzent in der Altstadt.
Die Kirchen sind nicht durchgehend geöffnet; wenn du das Innere sehen möchtest, lohnt sich ein Blick auf die jeweils aktuellen Öffnungs- und Gottesdienstzeiten der Gemeinden.
Warum ist das Gerberbachviertel ein Höhepunkt?
Das Gerberbachviertel ist das spätmittelalterliche Handwerkerviertel der Stadt und für viele der schönste Teil der Altstadt. Hier reihen sich fränkische Fachwerkhäuser entlang des offen durch die Gassen laufenden Grundelbachs, der dem Viertel seinen Namen gibt. Früher arbeiteten hier die Gerber, die viel Wasser für ihr Handwerk brauchten.
Wikipedia beschreibt das Viertel als „ein weitgehend geschlossenes und umsichtig restauriertes spätmittelalterliches Handwerkerviertel”, und genau das macht den Reiz aus: Es ist kein einzelnes Schauhaus, sondern ein zusammenhängendes Ensemble. Es gilt als eines der besterhaltenen Altstadtensembles der Region. Plane hier ohne festes Ziel ein paar Minuten zum Schlendern ein, denn die Stimmung entsteht aus dem Gassengefüge, den Bachläufen und den eng stehenden Fachwerkfassaden.
Wie verbindest du die historischen Gebäude zu einem Rundgang?
Die historischen Bauten liegen dicht beieinander, sodass sich ein entspannter Altstadtrundgang zu Fuß anbietet:
- Start am Marktplatz mit Altem Rathaus, Marktbrunnen und Löwenapotheke.
- Weiter zu den Kirchen rund um den Platz (Stadtkirche, St. Laurentius, Peterskirche).
- Hinein ins Gerberbachviertel entlang des Grundelbachs.
- Zu den Türmen der Stadtbefestigung, allen voran dem Roten Turm.
- Abschluss am Schloss mit anschließendem Spaziergang durch den frei zugänglichen Schlosspark.
Wer mehr Zeit hat, hängt einen Aufstieg zu den beiden Burgen oberhalb der Stadt an, etwa zur mittelalterlichen Burgruine Windeck. Eine Auswahl weiterer Ziele findest du unter Sehenswürdigkeiten in Weinheim.
Praktische Tipps für deinen Besuch
- Anreise und Parken: Die Altstadt liegt zentral; mit der OEG/RNV-Linie 5 sowie der S-Bahn RheinNeckar erreichst du Weinheim aus Mannheim und Heidelberg. Für das Auto gibt es Parkmöglichkeiten am Rand der Innenstadt.
- Bestes Timing: Der Wochenmarkt am Mittwoch und Samstag belebt den Marktplatz zusätzlich. Wer es ruhiger mag, kommt vormittags an Wochentagen.
- Innenbesichtigungen: Rathaus und Schloss sind Verwaltungsgebäude, Kirchen nicht durchgehend geöffnet. Öffnungszeiten und Zugangsmöglichkeiten bitte vorab bei der Stadt beziehungsweise den Gemeinden prüfen.
- Tag des offenen Denkmals: An diesem bundesweiten Aktionstag im Herbst sind in Weinheim regelmäßig sonst nicht zugängliche historische Gebäude zu besichtigen, eine gute Gelegenheit für einen genaueren Blick.
- Gut zu Fuß: Plane festes Schuhwerk ein, denn die Altstadtgassen und der Marktplatz steigen teils spürbar an.
Die historischen Gebäude Weinheims erzählen die Stadtgeschichte in Stein und Fachwerk: vom kurpfälzischen Verwaltungssitz über das Bürgertum des 16. Jahrhunderts bis zum Handwerkermilieu am Gerberbach. Wer einen vollständigen Tag plant, kombiniert den Altstadtrundgang mit einer Übernachtung; eine Orientierung dazu gibt die Seite zu den besten Hotels in Weinheim.