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Stadtgeschichte

Die Entwicklung des Weinbaus an der Bergstraße

Wie der Weinbau an der Badischen Bergstraße und in Weinheim entstand: von römischen Wurzeln über das Kloster Lorsch bis zu Lützelsachsen und dem Winzerfest.

Aktualisiert: Juni 2026

Der Weinbau gehört zu den ältesten Kulturleistungen an der Bergstraße. Wer heute durch die Reben oberhalb von Weinheim und seinem Stadtteil Lützelsachsen läuft, blickt auf eine Tradition, die vermutlich bis in die Römerzeit zurückreicht. Auf dieser Seite zeichnen wir die Entwicklung des Weinbaus an der Badischen Bergstraße und in Weinheim nach: mit verbürgten Eckpunkten, ehrlich eingeordnet und ohne Legenden. Wer den größeren Zusammenhang sucht, findet ihn im Cluster zur Geschichte Weinheims; wer lieber gleich ins Glas schaut, wird bei Wein und Kulinarik in Weinheim fündig.

Wann begann der Weinbau an der Bergstraße?

Die Anfänge liegen, wie so oft im Weinbau, im Dunkeln und werden den Römern zugeschrieben, die vor rund 2000 Jahren entlang der klimatisch begünstigten Hänge Reben gepflanzt haben dürften. Sicher belegt ist der Weinbau erst sehr viel später: Im 8. Jahrhundert taucht er im Lorscher Codex auf, dem berühmten Güter- und Schenkungsverzeichnis des Klosters Lorsch. Damit gehört die Bergstraße zu den Regionen, deren Weinbau urkundlich tief im Frühmittelalter verwurzelt ist.

Das Kloster Lorsch spielte für die ganze Region eine Schlüsselrolle. Es verwaltete weiträumigen Grundbesitz, und im selben Lorscher Codex findet sich auch die erste urkundliche Erwähnung Weinheims im Jahr 755. Wein und Weinheim erscheinen also fast parallel in den schriftlichen Quellen, auch wenn der Stadtname selbst nicht vom Wein stammt, sondern auf den fränkischen Personennamen Wino zurückgeht. Dieser kleine, oft missverstandene Punkt zeigt, wie wichtig es ist, zwischen schöner Erzählung und belegter Geschichte zu unterscheiden. Welche Bedeutung die Bergstraße als Knotenpunkt für Kloster, Handel und Verkehr hatte, beleuchtet auch der Beitrag zur Rolle Weinheims in der Region.

Warum gedeiht Wein an der Bergstraße so gut?

Die Bergstraße trägt nicht ohne Grund den Beinamen „Riviera Deutschlands”. Sie liegt im Windschatten des Odenwaldes, an dessen Westrand sich die Hänge nach Süden und Westen zur Rheinebene öffnen. Das Ergebnis ist ein mildes Klima mit vielen Sonnentagen, früh einsetzender Blüte und langer Vegetationsperiode. In Weinheim merkt man das schon im Frühjahr, wenn Mandel- und Obstbäume deutlich früher blühen als andernorts.

Für die Reben bedeutet das gute Reifebedingungen. Die Badische Bergstraße zählt zu den nördlichsten Lagen des Anbaugebiets Baden, und gerade hier zahlt sich die geschützte Lage aus. Typisch sind:

  • Riesling und Silvaner als klassische Weißweine der Region
  • Weiß- und Grauburgunder, die von den vielen Sonnenstunden profitieren
  • Müller-Thurgau als unkomplizierter, fruchtiger Begleiter
  • Spätburgunder als wichtigster Rotwein, dazu Sorten wie Kerner, Gewürztraminer oder Regent

Die Ertragsrebfläche der Badischen Bergstraße ist überschaubar und lag 2004 bei rund 396 Hektar. Verwaltungstechnisch ist das Gebiet als eine Großlage (Rittersberg) mit mehreren Einzellagen organisiert. 1971 wurde die Badische Bergstraße aus dem zuvor gemeinsamen Bergstraße-Gebiet herausgelöst und dem Weinbaugebiet Baden zugeordnet, während der hessische Teil eigenständig blieb.

Welche Rolle spielt Weinheim, besonders Lützelsachsen?

Innerhalb Weinheims ist der Weinbau vor allem im Stadtteil Lützelsachsen lebendig. Lützelsachsen ist der größte der Weinheimer Stadtteile und bis heute von Reben, Winzerhandwerk und einer langen Festtradition geprägt. Hier verbinden sich Hanglagen, kleinteilige Parzellen und ein Ortsbild, das die Nähe zum Wein spürbar macht. Lützelsachsen hat sogar eine eigene Weinkönigin, die die Weinkultur des Ortes repräsentiert.

Historisch war der Weinbau einer von mehreren wirtschaftlichen Standbeinen der Region. Wie sich Handwerk, Handel und Landwirtschaft über die Jahrhunderte ergänzten, zeigt der Überblick zur historischen Wirtschaft in Weinheim. Im 19. Jahrhundert, als Weinheim mit der Lederindustrie und der 1849 gegründeten Firma Freudenberg im Zuge der Industrialisierung aufstieg, blieb der Weinbau an den Hängen der Bergstraße ein prägender Teil der Kulturlandschaft. Diese Mischung aus Industrie im Tal und Reben am Hang ist bis heute charakteristisch für die Zwei-Burgen-Stadt.

Wie wird die Weinkultur heute gefeiert?

Der sichtbarste Ausdruck der Weinheimer Weinkultur ist das Bergsträßer Winzerfest in Lützelsachsen. Es findet traditionell Anfang Oktober statt, wird seit 1948 ausgerichtet und gehört zu den großen Weinfesten der Region. Organisiert wird es vom örtlichen Verkehrs- und Heimatverein. Zum Programm zählen über die Jahre wiederkehrend ein Festumzug am Sonntag durch die Straßen des Ortes, ein Krönungsabend mit der Wahl der Weinhoheiten und ausgeschenkte Weine von der Bergstraße.

Das Winzerfest reiht sich in den Weinheimer Festkalender ein, der vom Sommertagszug im Frühjahr über den Kultursommer im Schlosspark bis zur großen Weinheimer Kerwe im August reicht. Wer das Fest besucht, sollte aktuelle Termine und das Programm vorab prüfen, da sich Daten und Details von Jahr zu Jahr ändern können.

Gut zu wissen: Weinbau erleben rund um Weinheim

Auch außerhalb der Festtage lässt sich die Weinlandschaft gut erkunden. Ein paar praktische Hinweise:

  • Beste Zeit: Frühjahr für die Blüte an der Bergstraße, Spätsommer bis Oktober für Reife und Lese. Im Oktober fällt der Besuch mit dem Winzerfest zusammen.
  • Zu Fuß unterwegs: Die Hänge oberhalb von Lützelsachsen und entlang der Bergstraße bieten Wege mit weitem Blick über die Rheinebene. Wer ohnehin in Weinheim wandert, kann das mit einem Abstecher zu den Sehenswürdigkeiten wie Wachenburg, Burg Windeck oder dem Schlosspark verbinden.
  • Anreise: Weinheim ist über die OEG-/RNV-Linie 5 und die S-Bahn RheinNeckar gut erreichbar, sodass auch ein Glas Wein vor Ort kein Problem ist.
  • Verkostung: Eine Auswahl an Weinen und kulinarischen Tipps für die Stadt findest du bei Wein und Kulinarik. Angaben zu Betrieben, Öffnungszeiten und Angebot bitte vorab prüfen.

Der Weinbau an der Bergstraße ist kein Marketingversprechen, sondern eine über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft. In Weinheim begegnet er dir am deutlichsten in Lützelsachsen, im milden Klima der Hänge und im jährlichen Winzerfest. Wer genauer hinschaut, erkennt darin ein Stück Regionalgeschichte, das vom Kloster Lorsch über die Industrialisierung bis in die Gegenwart reicht.

Häufige Fragen

Rund um Die Entwicklung des Weinbaus an der Bergstraße

Seit wann gibt es Weinbau an der Bergstraße?

Der Weinbau an der Bergstraße geht vermutlich auf die Römer vor rund 2000 Jahren zurück. Schriftlich greifbar wird er im 8. Jahrhundert über den Lorscher Codex, das Güterverzeichnis des Klosters Lorsch.

Kommt der Name Weinheim vom Wein?

Nein. Der Ortsname leitet sich nicht vom Wein ab, sondern vom fränkischen Personennamen Wino. Trotzdem hat der Weinbau die Region und besonders den Stadtteil Lützelsachsen stark geprägt.

Welche Rebsorten wachsen an der Badischen Bergstraße?

Verbreitet sind Riesling und Silvaner sowie Burgundersorten wie Weiß- und Grauburgunder, dazu Müller-Thurgau und Spätburgunder. Die vielen Sonnentage lassen die Trauben gut ausreifen.

Wo wird in Weinheim Wein angebaut?

Vor allem im Stadtteil Lützelsachsen, der vom Weinbau und vom Winzerhandwerk geprägt ist. Auch die Hänge der angrenzenden Bergstraße-Lagen gehören dazu.

Wann ist das Bergsträßer Winzerfest in Lützelsachsen?

Das Bergsträßer Winzerfest findet traditionell Anfang Oktober statt. Es wird seit 1948 ausgerichtet und zählt zu den großen Weinfesten der Region. Aktuelle Termine bitte vorab prüfen.