Weinheim trägt seinen Beinamen nicht ohne Grund: Die Zwei-Burgen-Stadt schickt dich an einem einzigen Tag zu gleich zwei Wahrzeichen, die hoch über der Altstadt aus den bewaldeten Hängen ragen. Die ältere, die Burg Windeck, ist eine Ruine aus dem 12. Jahrhundert. Die jüngere, die Wachenburg, ist gerade einmal gut hundert Jahre alt. Dazwischen liegen ein englischer Landschaftsgarten, ein Wald voller Mammutbäume und ein Aufstieg, der mit einem der schönsten Blicke über die Rheinebene belohnt wird. Diese Reportage nimmt dich mit auf die Strecke - vom Marktplatz bis zum Bergfried und wieder zurück.
Wie sieht die Route im Überblick aus?
Der Klassiker beginnt mitten in der Altstadt und führt in einem großen Bogen bergauf. Eine gängige Variante über Schlosspark, Exotenwald und beide Burgen kommt auf rund elf Kilometer und etwa drei Stunden reine Gehzeit, ohne Pausen. Die Tour ist kein Spaziergang, aber auch kein alpines Unterfangen: Du sammelst einige Höhenmeter ein, verteilt auf stetige Anstiege durch den Wald, und überwindest sie auf gut markierten Wegen.
Grob lässt sich die Strecke so gliedern:
- Start am Marktplatz in der Weinheimer Altstadt, hinauf zum Schloss
- Schlosspark mit der alten Libanon-Zeder und den Mammutbäumen
- Exotenwald, der südlich an den Park anschließt
- Burg Windeck als erste der beiden Burgen
- Wachenburg auf dem benachbarten Wachenberg
- Abstieg zurück in Richtung Altstadt
Wer die Strecke abkürzen will, fährt mit dem Auto bis zu einem der Parkplätze in Hangnähe oder startet direkt am Schlosspark. Für das volle Erlebnis lohnt sich aber der Beginn unten in der Stadt. Wenn du die Burgenwanderung mit einem Stadtbummel kombinieren möchtest, hilft unser kompakter Tagesplan für Weinheim an einem Tag bei der Reihenfolge.
Vom Marktplatz in den Schlosspark
Der Marktplatz mit dem Alten Rathaus, dem Marktbrunnen und den historischen Bürgerhäusern ist der natürliche Ausgangspunkt. Von hier sind es nur wenige Minuten zum Schloss, das heute das Rathaus beherbergt, und zum angrenzenden Schlosspark. Wer vor dem Aufstieg noch durch die Gassen schlendern will, findet im Rundgang durch Altstadt und Gerberbachviertel die schönsten Ecken der Innenstadt.
Der Park ist ein englischer Landschaftsgarten und frei zugänglich. Sein Stolz ist eine Libanon-Zeder, die um 1835 gepflanzt wurde und heute mit ihrem ausladenden Wuchs ganze Rasenflächen überschattet. Dazu kommen Mammutbäume und ein Ginkgo. Schon hier merkst du, dass die Weinheimer ein Faible für außergewöhnliche Bäume haben - eine Leidenschaft, die sich gleich nebenan noch deutlicher zeigt.
Durch den Exotenwald bergauf
Südlich an den Schlosspark schließt der Exotenwald an, und mit ihm beginnt der eigentliche Aufstieg. Der Wald wurde 1872 von Christian Freiherr von Berckheim gegründet und umfasst heute rund 60 Hektar mit etwa 170 Baumarten aus Nordamerika, Ostasien, Europa und Nordafrika. Zwischen den Stämmen ragen Küstenmammutbäume in die Höhe, die hier bis zu rund 60 Meter erreichen.
Der Weg windet sich in Serpentinen und sanften Steigungen nach oben. Im Sommer ist es unter dem dichten Kronendach angenehm kühl, im Herbst verfärbt sich das Laub der fremdländischen Arten in Töne, die man in einem heimischen Mischwald so nicht findet. Genau das macht den Exotenwald zur heimlichen Hauptrolle dieser Wanderung: Der Aufstieg vergeht, weil es ständig etwas zu schauen gibt. Wie stark sich der Wald im Oktober färbt, zeigt unser Stimmungsbild zu Weinheim im Herbst und dem Exotenwald. Mehr zu Touren rund um die Stadt findest du in unserer Übersicht zu Outdoor-Aktivitäten.
Die erste Burg: Windeck
Aus dem Wald heraus erreichst du die Burg Windeck, die ältere der beiden. Sie wurde im 12. Jahrhundert, vermutlich um 1100 bis 1130, wahrscheinlich durch das Kloster Lorsch errichtet und thront oberhalb des Schlossparks auf dem Schlossberg. Heute ist sie eine Ruine, deren markanter Bergfried die Jahrhunderte überdauert hat.
Hier lohnt die erste längere Pause. Die alten Mauern erzählen von einer Zeit, in der Weinheim ein umkämpfter Ort an der Bergstraße war, lange bevor die Stadt kurpfälzisch und später badisch wurde. Wer tiefer in diese Vergangenheit eintauchen will, findet in unserem Überblick zur Geschichte Weinheims die größeren Zusammenhänge. Direkt an der Ruine gibt es ein Burgrestaurant. Ob es geöffnet hat, hängt von Saison und Wochentag ab, deshalb gilt: Öffnungszeiten vorab prüfen, bevor du fest mit einer warmen Mahlzeit oben rechnest.
Die zweite Burg: Wachenburg
Vom Schlossberg führt der Weg hinüber zum benachbarten Wachenberg und damit zur Wachenburg. Sie ist die jüngere und zugleich die wuchtigere Erscheinung. Erbaut wurde sie zwischen 1907 und 1928 vom Weinheimer Senioren-Convent, einem Verband von Studentenkorporationen, im neuromanischen Stil. Bis heute ist sie Eigentum und Versammlungsort des WSC.
Der Bergfried der Wachenburg ist das eigentliche Ziel vieler Wanderer, denn von hier oben öffnet sich der Blick weit über die Rheinebene. An klaren Tagen reicht die Sicht über Felder und Ortschaften bis zum Horizont, an dem sich bei guter Fernsicht die Konturen des Pfälzerwaldes abzeichnen. Zur Wachenburg gehört eine Burgschänke. Auch hier gilt der gleiche Rat wie bei der Windeck: Öffnungszeiten vorab prüfen, dann wird die Einkehr nicht zur Enttäuschung.
Wann lohnt sich die Tour am meisten?
Jede Jahreszeit hat ihren Reiz, aber drei stechen heraus:
- Herbst: Die Königsdisziplin. Der Exotenwald färbt sich, das Licht steht tief, und die Fernsicht von der Wachenburg ist oft am klarsten. Wer die Tour nur einmal macht, sollte den Oktober wählen.
- Frühsommer: Frisches Grün, milde Temperaturen und lange Tage. Ideal, wenn du Park, Wald und beide Burgen ohne Hetze verbinden willst.
- Klarer Wintertag: Weniger Betrieb, kahle Bäume geben mehr Durchblick frei, und die Aussicht kann an frostklaren Tagen besonders weit reichen.
Hochsommerliche Hitzetage sind wegen des Anstiegs weniger angenehm, auch wenn der Wald lange Schatten spendet.
Praktische Tipps für die Wanderung
- Festes Schuhwerk: Die Waldwege sind gut begehbar, nach Regen aber stellenweise rutschig. Wanderschuhe oder zumindest griffige Sohlen sind sinnvoll.
- Realistisch planen: Rechne mit drei bis vier Stunden inklusive Pausen. Mit ausgiebiger Einkehr und Picknick wird daraus leicht ein halber bis ganzer Tag.
- Verpflegung mitnehmen: Verlass dich nicht allein auf die Burggastronomie. Da Öffnungszeiten saisonal schwanken, gehört Wasser und ein kleiner Snack in den Rucksack.
- Anreise ohne Auto: Weinheim ist über die OEG-/RNV-Linie 5 sowie die S-Bahn RheinNeckar gut erreichbar. Vom Bahnhof läufst du in wenigen Minuten in die Altstadt und startest dort.
- Reihenfolge frei wählbar: Die meisten gehen erst zur Windeck und dann zur Wachenburg, aber die Route funktioniert auch umgekehrt. Wer die beste Aussicht zum Schluss als Höhepunkt will, hebt sich die Wachenburg bis zuletzt auf.
Wer die Tour mit einer Übernachtung verbinden und am nächsten Tag noch mehr entdecken möchte, findet bei den besten Hotels in Weinheim passende Unterkünfte nahe der Altstadt. Am Ende des Tages steigst du wieder hinab in die Altstadt, mit zwei Burgen in den Beinen und einem Panorama im Kopf, das erklärt, warum die Weinheimer so gern von ihrer Zwei-Burgen-Stadt sprechen. Wer mehr von der Stadt sehen möchte, findet in unserer Übersicht der Sehenswürdigkeiten die passenden nächsten Ziele.